Milch und Fleisch aus Gras – mit Weidehaltung zum Erfolg

Gruppe1Unter dem Motto „Milch und Fleisch aus Gras“ folgten am 21. Juni rund 120 interessierte Bäuerinnen und Bauern der Einladung zum Weidefachtag nach Grünbach bei Freistadt. DieTeilnehmerinnen konnten sich von möglichen Potenzialen der Weide überzeugen und wurden über die wichtigsten Fertigkeiten zum Gelingen einer erfolgreichen Weide informiert.

Die Technik und das Know-How über eine schonende Grundfutterwerbung steigen, die Schnittzeitpunkte werden immer mehr einer idealen Nährstoffzusammensetzung angepasst – und dennoch: Verluste im Ausmaß von 20% müssen bei der Futterwerbung und -vorlage auch bei günstigen Bedingungen in Kauf genommen werden. Zudem ist auch das Wetter entscheidend, ob das Futter zum richtigen Zeitpunkt gemäht werden kann oder nicht. Letztendlich bleibt jedoch ein Futtermittel über, welches ohne Bergungsverluste bei nahezu jedem Wetter frisch genutzt werden kann: das Weidegras! Dort, wo geeignete Flächen zur Beweidung vorhanden sind, ist Weidegras außerdem immer noch das günstigste Futtermittel.Gruppe2

Mit Management zum Erfolg

Schon zeitig im Frühjahr werden die Flächen anfänglich stundenweise überweidet. Ziel ist, dass die Rinder wieder das Weiden lernen und die Bestockung der Gräser gefördert wird. Die Rationsumstellung von Winter- auf Sommerfütterung erfolgt somit auch sehr schonend. In den ersten Wochen nach Weidebeginn kann dann der Weidetrieb auf die gewünschte Tageslänge ausgeweitet werden. Im Laufe des Weidejahres muss dann der Tierbesatz auf der Fläche ständig angepasst werden, um eine möglichst hohe Flächenleistung zu erreichen. „Im Laufe des Weidejahres muss das Gras welches gestern gewachsen ist, heute gefressen werden und morgen wird die Milch geliefert oder direkt in Fleisch umgesetzt“, bringt es Sigi Steinberger vom Lfl Bayern am Weidefachtag auf den Punkt.

Welches Weidesystem?

Kurzrasenweiden sind intensive Standweiden, wobei die Fläche praktisch das gesamte Jahr bei einer mittleren Grasaufwuchshöhe von 4-6 cm! besetzt ist. Charakteristisch für die Koppel- oder Umtriebsweide ist die kurze Besatzzeit und der anschließende Wechsel in eine neue Koppel, wobei Grasaufwuchshöhen von 20 cm nicht überschritten werden sollten. Die ständige Beweidung fördert – vor allem bei Standweide – die Bestockung. Die Narbe wird dichter, damit können Trittschäden vermieden werden. Die Mineralstoff- und Salzversorgung muss auf der Weide sichergestellt werden. Die Parasitenbehandlung soll ein bis zwei Monate nach Weidebeginn mit Rücksprache des Tierarztes erfolgen. Letztlich beinhaltet richtiges Weidemanagement auch das Aufstellen von Tierbetreuungseinrichtungen (Kälberschlupf, Fangstände, Raufen,..) und die Wahl des geeigneten Zaunsystems.

Bei der Weidepflege gilt: So wenig wie möglich, soviel wie notwendig. Die Ausnahme stellen hier Übersaaten dar. Diese empfehlen sich speziell in den ersten zwei bis drei Jahren  bei der Umstellung von Schnittflächen auf Weideflächen. Bei Dauerweideflächen beschränkt sich die Übersaat nur mehr auf lückige Stellen. Die Übersaat kann in diesen Fällen kostengünstig mit einem Kleinsämereienstreuer während des Weideganges in mehreren Wiederholungen durchgeführt werden. Zur Frühjahresdüngung und Herbstdüngung mit Mist sollte auf Weideflächen auch unterm Jahr nicht auf eine Düngung verzichtet werden.

Lernen aus der Praxis

Großes Interesse herrschte Ende Juni beim Weidefachtag, als über 100 anwesenden Bäuerinnen und Bauern Einblick in das Weidesystem vom Betrieb Wagner erhielten, wo rund 80 Stück Rinder geweidet werden. 15 ha werden ständig beweidet. Der Erfolg durch dieses System hat sich am Betrieb Wagner bereits eingestellt. Der Arbeitsaufwand ging erheblich zurück, weil das Umtreiben, Mulchen und Ausmähen sowie die tägliche Portionierung der Weide entfällt. Typische Grünlandunkräuter wie der Ampfer wurden aufgrund der Grasaufwuchshöhe von 4-5 cm vollständig verdrängt. Die täglichen Zunahmen sind bei den weiblichen Tieren zwischen 950 und 1100g, bei den männlichen 1150 bis 1400g – Fleisch aus Gras, alles ohne Kraftfutter. Zugefüttert wird auf der Weide zur Futterumstellung im Frühjahr und in extrem heißen Sommerwochen, wenn die Niederschläge ausbleiben.

Ein herzlicher Dank gilt folgenden Firmen für die Unterstützung zur Durchführung des Weidefachtages 2014: Der fortschrittliche Landwirt, ÖAG Grünland und Futterbau, Bio Autria Lagerhaus Freistadt, APV Technische Produkte GmbH, J. Kopplinger Ges.m.b.H, Rinderbörse

Bares Geld steckt in der Weide

Die Weide kann bei Flächenarrondierung auch ökonomische Vorteile bringen:

  • Effiziente Grünlandnutzung: Durch einen angepassten Tierbesatz kann das Grünland effizient genutzt werden. Hohe Energiedichten (> 6,3 MJ NEL/kg TM) und der Entfall von Werbungskosten machen Weidegras interessant
  • Energieeinsparung: Das Entfallen von Nachmähen bzw. Mulchen sowie der Aufwand der Futterkonservierung und Düngung helfen bares Geld sparen
  • Arbeitsaufwand: Stallgebundene Arbeiten im Sommer entfallen zum Teil

Fotos und Text: Ing. Andreas Hager, LKOÖ


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